High-Functioning Depression: Warum „erfolgreich sein“ nicht vor Erschöpfung schützt.

Veröffentlicht am 30. Januar 2026 um 14:36

In unserer Arbeitswelt feiern wir Belastbarkeit, Überstunden und „Hustle“. Aber was passiert, wenn der Motor nicht nur stottert, sondern die Zündung komplett fehlt?

Depression im Job sieht oft nicht nach „im Bett liegen“ aus. Sie sieht oft nach dem Kollegen aus, der immer noch als Letzter das Licht ausmacht. Nach der Führungskraft, die jedes Meeting perfekt moderiert, aber danach im Auto 20 Minuten starrt, bevor sie den Motor startet.

Das nennt man High-Functioning Depression. Die Maske sitzt perfekt, aber der Preis ist die totale innere Erschöpfung.

Was wir jetzt brauchen:

  1. Psychologische Sicherheit: Führungskräfte, bei denen „Mir geht es nicht gut“ keine Karriere-Sackgasse bedeutet.

  2. Ehrlichkeit statt Floskeln: „Wie geht’s dir?“ – „Muss ja.“ ist keine Antwort, sondern ein Warnsignal.

  3. Entstigmatisierung: Eine psychische Erkrankung ist ein medizinischer Fakt, kein Mangel an Disziplin.

Wenn du dich gerade durch den Tag schleppst: Du bist nicht dein Output. Deine Gesundheit ist kein verhandelbares Asset für das nächste Quartalsziel.

Hast du das Gefühl, dass wir in der Arbeitswelt offen genug über mentale Gesundheit sprechen? Oder bleibt es bei Obstkörben und Yoga-Gutscheinen?

 

Wenn die psychische Belastung hoch ist, wird der Arbeitsalltag oft zum Minenfeld. Hier sind 5 konkrete Tipps, wie du dich verhalten kannst, um den Druck zu senken und dich selbst zu schützen:

1. Radikale Priorisierung (Das „Gut-Genug“-Prinzip)

In einer depressiven Phase schrumpft dein Energiekonto massiv. Dein Perfektionismus ist jetzt dein größter Feind.

  • Der Tipp: Erstelle eine Liste mit maximal drei Aufgaben pro Tag. Alles andere ist Bonus.

  • Warum: Erfolgserlebnisse sind wichtig für die Psyche. Wenn du dir zu viel vornimmst und scheiterst, fütterst du die Abwärtsspirale aus Selbstvorwürfen. Akzeptiere, dass 70 % Leistung aktuell dein 100 %-Maximum sind.

2. Strategische Kommunikation (Weniger ist mehr)

Du bist nicht verpflichtet, deine gesamte Krankenakte offenzulegen. Aber völliges Schweigen führt oft zu Missverständnissen (man hält dich für „faul“ oder „desinteressiert“).

  • Der Tipp: Nutze vage, aber professionelle Formulierungen. Sage deinem Vorgesetzten oder engen Kollegen: „Ich habe aktuell mit gesundheitlichen Herausforderungen zu kämpfen, die meine Konzentration einschränken. Ich arbeite daran, brauche aber momentan etwas mehr Zeit für bestimmte Prozesse.“

  • Warum: Das schafft Verständnis, ohne dass du dich durch ein Outing angreifbar fühlst.

3. Mikro-Pausen als Schutzschild

Warte nicht auf die Mittagspause, wenn der Kopf schon um 10 Uhr dicht ist.

  • Der Tipp: Etabliere „Sensorische Pausen“. Geh für 5 Minuten kurz vor die Tür, atme tief durch oder such dir einen ruhigen Ort (notfalls die Toilettenkabine), um die Reizüberflutung zu stoppen. Schalte Benachrichtigungen aus, wenn du an einer Aufgabe arbeitest.

  • Warum: Depressionen gehen oft mit einer erhöhten Reizempfindlichkeit einher. Kleine Auszeiten verhindern, dass das System komplett überhitzt.

4. Grenzen setzen und „Nein“ üben

Zusatzaufgaben oder soziale Events nach der Arbeit (After-Work-Drinks) können sich wie eine unbezwingbare Last anfühlen.

  • Der Tipp: Übe freundliche Absagen. „Danke für das Vertrauen/die Einladung, aber ich muss aktuell meine Kapazitäten sehr strikt planen und kann das leider nicht übernehmen/nicht dabei sein.“

  • Warum: Deine Priorität ist die Erhaltung deiner Kern-Arbeitsfähigkeit und deiner Gesundheit. Alles, was „on top“ kommt, gefährdet dein Fundament.

5. Den Feierabend heiligsprechen

Der Übergang vom Job zum Privatleben muss klar definiert sein, um das Gedankenkarussell zu stoppen.

  • Der Tipp: Schaffe dir ein „Abschluss-Ritual“. Klappe den Laptop zu, räume den Schreibtisch auf oder wechsle sofort die Kleidung, wenn du nach Hause kommst.

  • Warum: Wer depressiv ist, neigt zum Grübeln über Arbeitsfehler. Das Ritual signalisiert deinem Gehirn: „Hier endet die Belastung, hier beginnt der geschützte Raum.“

 

Wichtig:

Diese Tipps sind Krücken für den Alltag, aber sie ersetzen keine Therapie. Wenn du merkst, dass gar nichts mehr geht, ist eine Krankschreibung kein Versagen, sondern eine medizinische Notwendigkeit.

Kommentar hinzufügen

Kommentare

Es gibt noch keine Kommentare.